Unsere Theaterprojekte

Vanessa Topf

Ab 31.8.21 startet unsere neue Theater AG an der Gesamtschule Lohmar unter Leitung der bekannten Bonner Schauspielerin, Theaterpädagogin und Regisseurin Vanessa Topf, die wir anstelle unseres bisherigen Theaterpädagogen Jürgen Albrecht für dieses Kreativ-Projekt engagieren konnten. (Vita als PDF)

Grundlagen und pädagogische Ziele unserer Theaterarbeit 


Seit 2012 arbeitet JIK mit dem Kölner Theaterpädagogen, Schauspieler und Regisseur Jürgen Albrecht in Leverkusen zusammen, der mit den Teilnehmenden (TN sind 15-20 Jugendliche ab 16 Jahre) zunächst Grundelemente der Schauspielerei und dann selbst entworfene oder ausgewählte Stücke bis zur Aufführung einübt.


Die TN sollten Spaß daran haben, spielerisch etwas auszuprobieren und vor anderen darzustellen, was sie sich selbst ausgedacht haben. Natürlich sollten sie auch bereit sein, sich mit ihrer eigenen Persönlichkeit, ihren Gefühlen auseinanderzusetzen, diese zuzulassen und zu reflektieren. Die Hauptsache ist aber, sie möchten gemeinsam etwas ganz Neues erschaffen.

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Infolge der Absurditäten der Beziehungsdramen und der Unbelehrbarkeit und Beratungsresistenz der zu ihm kommenden Paare, wird der Therapeut letztlich immer verzweifelter und kann nur noch zur Flasche greifen. Seine Patienten wollen sich nämlich gar nicht ändern, sondern möchten vor dem Therapeuten Dr. Slibowitz lediglich ihre Streitereien ungehemmt fortführen. Als dieser sich auch noch in eine Klientin verliebt, ist das Chaos perfekt. Zwischendurch wurden auch hierzu passende Szenen der klassischen Literatur eingebaut, die alle die oft absurden Momente der Liebe zwischen den Geschlechtern thematisieren. 


Das Stück wurde dann durch tänzerische Einlagen und Gesangsdarbietungen choreografisch und musikalisch so gelungen aufgepeppt, so dass es infolge der großen Zuschauerresonanz zweimal aufgeführt wurde. 

2. Stück „Die Odyssee“ – frei nach Homer von E. Schoppmann (2014) 


Diesmal wählte die neu zusammengesetzte Gruppe ein klassisches Werk der Weltliteratur aus, Homers Odysse von Homer, jedoch sehr frei und parodistisch gestaltet von Edzard Schoppmann, der den Text aktualisiert, rafft und mittels vieler origineller Regieeinfälle erleichtert und stark auf Körpertheater und Slapstickelemente setzt. Diese aufwändige Bühnenproduktion wurde in einem großen Theatersaal und von Jürgen Albrecht höchst professionell inszeniert.


Dieser baute noch viele weitere absurd-komische Elemente, besonders durch Tanz- und Gesangseinlagen ein, so dass das Stück fast unüberbietbar komisch wirkte. Dazu trug auch die Tatsache bei, dass fast alle männlichen griechischen Krieger durch Frauen dargestellt wurden, so dass deren derb-sexualisierte Jugendsprache, ihr männliches Imponiergehabe und militärisches Auftreten doppelt lächerlich wirkten. Achill, Ajax, Helena, Paris, Kassandra. Polyphem, Poseidon, Hermes, Zirze, Calypso u.a. HeldInnen und Götter der Odyssee traten auf, aber auch die Loreley und König Alberich aus der Nibelungensage. Diese bunte Mischung wurde angereichert durch zahllose Anspielungen, z.B. auf die aktuellen Kreditverhandlungen der EU mit Griechenland und die liebgewonnenen Vorurteile über scheinbare griechische Angewohnheiten, was den zusätzlichen Reiz dieses Stückes ausmachte. Wunderbar auch „Harry Hermes“, der im Stile eines Fußballreporters die Schlacht zwischen Trojanern und Griechen kommentierte und u.a. einige unfaire „Fouls“ beklagte.


Der Zwangsaufenthalt der Griechen bei der Zauberin Zirze (als „Transe“ dargestellt) wurde ins Rotlichtmilieu verlegt, wobei neben Odysseus 1 zusätzlich noch sein fiktives Alter Ego (Odysseus 2) auftrat, so dass es zwischen beiden zu Rückblenden und Reflexionen kam – auch über Sinn und Zweck von Kriegen. Umwerfend komisch auch die Szene, als die Trojaner das hölzerne Pferd der Griechen erblickten und einen karnevalsreifen Freudentanz aufführten. Hierzu gehört auch der psychedelische Tanz der weiblichen Lotophagen, deren unwiderstehlichem Charme die Griechen fast erlegen wären.


Die Szene mit dem einäugigen Polyphem und den Griechen um Odysseus, die ersterem das Auge ausstechen und ihn dann verspotten, war Dank schauspielerischer Glanzleistungen und gelungener Slapstick-Einlagen einer der Höhepunkte des einmaligen Stücks, wobei die Hauptdarsteller/-innen insgesamt große Schauspielkunst bewiesen.

3. Stück „Blind Date“ nach Clemens Schäfer (2015) 


Der Reiz des von der nächsten Gruppe ausgewählten Stückes besteht darin, dass die Schauspieler/-innen auf der Bühne Publikum spielen, das im Theater sitzt und sich wundert, dass die Vorstellung nicht beginnt. 


Sie vertreiben sich die Zeit mit wachsender Verunsicherung, mit Ungeduld, Empörung, Langeweile, jeder auf seine Weise. Man stiert vor sich hin, sieht auf die Uhr, schläft ein, beginnt, die überraschend übrige Zeit zu nutzen. Die Bühne, die leer bleibt, wird zur Plattform für die Selbstdarstellung. Die Gruppe löst sich in Individuen auf, formiert sich wieder zum Ensemble, das sich selbst unterhält. Beziehungskrisen zwischen Ehepaaren werden ungeniert ausgetragen, ein Selbstmörder, der die Vorstellung für einen publikumswirksamen Suizid nutzen möchte, um sein schlimmes Schicksal aufmerksam zu machen, scheitert kläglich infolge seiner unzureichenden Vorbereitungen und wird von den anderen als Stümper beschimpft. Ein anderer wird schließlich mit einem bekannten Schauspieler verwechselt und mit Gewalt gezwungen, irgendetwas vorzuführen, damit der Theaterbesuch nicht völlig umsonst war. 


Dieser zeigt voller Verzweiflung seine „Künste“ als Flohzirkusdirektor, wobei sich seine „Flöhe“ verselbständigen und alle vor Angst in ekstatische Zuckungen geraten; der weltbeste Zwiebelschneider präsentiert seine bescheidenen Künste – Szenen von egozentrischen Personen, denen Empathie für andere völlig abgeht – wie im richtigen Leben, in dem oft genug „Theater“ gespielt wird. So wird dem Publikum ein Spiegel ihres Verhaltens im Theater, aber auch in ihrem alltäglichen Leben vorgehalten. Diesmal wurden u.a. mehrere artistische Einlagen eingebaut, um das scheinbar Unwirkliche dieser Szenen zu unterstreichen. Auch hier gab es infolge des großen Zuschauerandrangs gleich 2 Aufführungen hintereinander.